Donnerstag, 14. September 2017

müßiggang...

maratea, süditalien, august 2017
copyright@karin luger




der ist kein freier mensch, der sich nicht auch einmal dem nichtstun hingeben kann.

marcus tullius cicero (106 - 43 v. chr.)



nichtstun ist besser als mit viel mühe nichts schaffen.

lao tse (ca. 4.jh. v. chr.)





ja, schon die alten chinesen und römer haben es gewusst! zu einer produktiven lebensführung gehört der müßiggang, das nichtstun!
vielen von uns ist ein anderes sprichwort schon eher geläufig: 
müßiggang ist aller laster anfang
wer etwas gelten will, hat leistung zu erbringen.
nur wer etwas leistet, kann sich auch etwas leisten!

schon als kinder haben wir gelernt, dass wir nur dann geliebt werden, wenn unsere leistung den ansprüchen unserer eltern und lehrkräfte entspricht.
wer leistet, wird geliebt.
wer nichts tut, ist faul.

ich erinnere mich an stunden des kindlichen müßiggangs... in der wiese liegen und in den himmel blicken, die wolken vorbei ziehen sehen... die zeit blieb für mich stehen und mit den wolken zogen auch meine gedanken dahin.

seit einigen jahren habe ich mir den müßiggang wieder angeeignet. ich setzte mich auf eine bank und und blicke hinaus in den wald, betrachte die untergehende sonne und erfreue mich an diesem wundervollen schauspiel der natur. kein sonnenuntergang gleicht dem anderen, jede wolke zieht vorbei und kommt nie mehr wieder. alles ist vergänglich, nichts ist von dauer.

müßiggang ist leben im hier und jetzt. 
genau in diesem augenblick entstehen die besten ideen, finde ich die optimalste lösung für ein problem. 
ich komme zur ruhe, werde gelassen.
und hin und wieder wächst ein glücksgefühl und erfüllt mein ganzes sein.

ich wünsche dir, dass auch du dich dem müßiggang hingibst.
dass du heraus steigst aus deinem alltag und nur sein kannst - ohne etwas zu tun, ohne etwas zu wollen...

Samstag, 26. August 2017

FEUER...

maratea, süditalien, august 2017
copyright@karin luger

glut ruht still in sich. entspannt strahlt sie. 
sanft leuchtet sie.
feuer ist tausend mal tausend auf der glut tanzend flammen. 
feuer ist lebendig, wild und unberechenbar. feuer wird, feuer ist, feuer vergeht.
das wesen des menschen ist tausend mal tausend flammen auf der glut, die in seiner seele ruht.
die flammen tragen namen:
freude, wut, angst, trieb, tat, traum, liebe, glück, gier.
geh durch die flammen zurück zur quelle der feuer-energie, geh zurück zur glut. nimm wahr, wie die flammen werden, sind und vergehen...und dein wesen wird still, strahelnd und sanft.

an agni smidah, mystiker

der sommer in süditalien ist lang, heiß und trocken. ich bin auf urlaub in der basilikata. hier hat es seit april nicht mehr geregnet. immer wieder steigen flammen auf in den unzähligen bergen hier. gestern nacht stand in nächster nähe ein berg in flammen.
feuer, wenn es nicht gebändigt ist, ist verzehrend, nimmersatt. das staubtrockene gebüsch lässt die flammen freudig lodern und die robusten, dem regenlosen sommer trotzenden bäume haben keine chance, diesem inferno zu widerstehen. zurück bleiben verkohlte baumstümpfe und nackte erde. ein paar kilometer weiter ist die unendliche weite des meeres. wasser in hülle und fülle. absurd...
heute früh am morgen waren die löschflugzeuge unterwegs. die luft war erfüllt vom rauch und überall lag asche. 
und es wird mir wieder einmal bewusst, wie sehr die irdischen elemente hilfreich und zugleich zerstörend sein können. die grenze ist sehr schmal...
das romantische flackern der kerze, das feuer im ofen, das uns an kalten tagen wärmt und die lodernden flammen, die gierig alles verschlingen, das sich ihnen in den weg stellt.
wir hatten glück. und ich hoffe, das glück bleibt uns hold...
denn es hätte genauso gut in unmittelbarer nähe ein feuer ausbrechen können... und unser wunderschöner aufenthalt in der villa mirasole hätte ein jähes ende gefunden...


Mittwoch, 23. August 2017

MEER...

süditalien, maratea, august 2017
copyright©karin luger


das freie meer befreit den geist.

johann wolfgang von goethe


die weibliche natur ist wie das meer. es gibt dem leisesten, schwächsten drucke nach und trägt doch die schwersten lasten.

rasmus nielsen




die unendliche weite des meeres, das wasser verschmilzt mit dem himmel an diesigen tagen... vom sanften wind gekräuselt , ganz leicht, hier und da,... und von den sonnenstrahlen bedacht mit diamantenen sternen, so viele, unendlich, und doch nur für den hauch einer sekunde...
der blick schweift in die ferne, gleitet entlang des horizonts, verliert sich im blau, im blau, im blau...

und es wird mir ganz leicht, die gedanken lösen sich in der flirrenden luft, lösen sich auf und schweben als kleine schaumkronen hinaus in die unendliche weite des seins.

und mir kommen die wunderbaren worte reinhard meys in den sinn: "über den wolken muss die freiheit wohl grenzenlos sein, alle ängste, alle sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen und dann...würde, was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein."
ja, nicht nur über den wolken... auch über dem meere!
wasser und luft, die beiden elemente, du kannst sie nicht greifen...und in wahrheit auch nicht begreifen - auch wenn du ein meister bist in physik und chemie... denn es ist mehr als die summe seiner teile...

ich blicke hinaus auf das offene meer, werde frei von meinen verhaftungen, lasse mich tragen, treiben, umspülen und sinke hinab in die tiefsten tiefen. tauche auf, lasse mich küssen von der sonne, spüre die wassertropfen, die an meinem körper hinabkullern wie kleine silberne perlen.

wie viele wasserperlen fasst das meer?

mein blick schweift hinaus übers offene meer...keine fragen mehr...nur mehr sein...

Mittwoch, 26. Juli 2017

LÄRM...

https://www.mieterverein-hamburg.de/export/sites/
default/.galleries/cartoon/cartoon-
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um die dröhnende welt etwas leiser werden zu lassen, würden marketingstrategen vorschlagen, die ganze erde mit teppichböden zu belegen, anstatt menschen ein paar einfache filzpantoffeln zu empfehlen.

willy meurer

ein nach außen gekehrter lärm ist heutzutage weit mehr gefragt als eine in sich gekehrte stille.

willy meurer



die menschen in den städten werden mehr und mehr lärmempfindlich. 
kein wunder! 
wie sieht der alltag eines gewöhnlichen menschens in der westlichen welt aus?
der wecker läutet, aufstehen. einschalten einer geräuschkulisse (radio, fernsehgerät,...). frühstück mit zeitung - startet zumeist die innere geräuschkulisse mit ärger, schock und angst. blick aufs handy, was gibt es neues auf facebook, twitter, instagram, snapchat und co.
fahrt mit dem auto - radio oder handy, der morgendliche stau...
am arbeitsplatz - unterschiedliche lärmquellen... die führungskraft, kollegen, kunden, das telefon, der computer, maschinen, geräte... irgendwo piepst es immer!
mittagspause - wenn zeit ist, dann ein schnelles mittagessen in einem überfüllten lokal. am besten mit handy. das macht zwar an sich keinen lärm, aber es treibt den inneren lärm an. emails checken, whatsapp-chat, facebook posts teilen, aktuelle nachrichten lesen... neben dem essen, versteht sich von selbst. wir sind ja alle multi-tasker!
dann zurück an den arbeitsplatz und am abend nach hause. schnelles essen mit handy, dann fernseh-serien schauen, nebenbei telefonieren oder chatten.
im bett dann vielleicht noch ein letzter blick aufs handy, wecker gestellt und dann hoffentlich so müde, dass man gleich einschläft.
dieses szenario täglich, mit kleinen abweichungen.

für innere ruhe, für nichtstun... keine zeit.
je mehr die innere unruhe ansteigt, umso weniger halten wir die äußere unruhe aus. dann wird lachen von kindern zur riesenbelästigung. dann hören wir autolärm, die nachbarn beim feiern, die schreienden kinder...und es wird unerträglich.

doch...auch wenn wir alle äußeren geräusche eliminieren könnten, den inneren lärm können wir nicht ausknipsen. der bleibt.
wir können nur lernen, ruhepausen einzulegen. 
jeden tag ein paar minuten. 
wir können lernen, still zu werden und dann kann rund um uns der lärm toben. 
wir hören den lärm, aber er regt uns nicht mehr auf. 
wir nehmen die geräusche wahr, doch wir geben ihnen keine bedeutung. 



Montag, 3. Juli 2017

REGEL ≠ REGLEMENTIERUNG

http://kartenspiel.org/wp-content/uploads/kartenspiele.jpg

reglementierung führt zum stillstand.
else pannek


zuverlässige regeln sind die kinder einer zuverlässigen erfahrung, die in der tat die mutter sämtlicher wissenschaften und künste ist.
leonardo da vinci

ich bin überzeugt, dass es für ein gedeihliches miteinander unter uns menschen unerlässlich ist, einige regeln oder vereinbarungen einzuhalten und darauf vertrauen zu können, dass sich alle dazu bekennen und sich dementsprechend verhalten.
diese regeln müssen ja nicht in stein gehauen sein... zeiten ändern sich, menschen ändern sich, also sind die bestehenden regeln und vereinbarungen immer wieder zu hinterfragen, ob sie angemessen sind. wenn nicht, dann sind sie entsprechend anzupassen oder sie sind überhaupt obsolet geworden, dann sind neue regeln zu erstellen.

was gehört unabdingbar zu vereinbarungen, regeln, abmachungen?

1. wofür dient die regel? welche werte stehen dahinter?
2. welche konsequenz hat die nichteinhaltung?
3. wer sorgt dafür, dass die konsequenzen auch realisiert werden?

und bevor die regel in kraft tritt, sind alle beteiligten von diesen 3 schritten in kenntnis zu setzen, um innerhalb einer angegebenen frist eventuelle widerstände und die entsprechenden änderungswünsche einzubringen. kritik alleine ist nutzlos und ist daher nicht zu beachten. 
menschen haben zu lernen, das auszudrücken, was sie wollen, denn dies ist der einzige weg zur umsetzung. wenn weder sie selbst noch die anderen davon in kenntnis gesetzt werden, wie soll dann jemand zur umsetzung beitragen können?

was wir seit einigen jahren erleben, ist äußerst eigentümlich.
egal wohin ich blicke, ob in politik, unternehmen oder in familien, ... es passieren zwei extreme:
1.
entweder wird überreglementiert - wahrscheinlich aus angst, dass etwas "schreckliches" passiert. 
man möchte 100% sicherheit. 
in diesen fällen wird man bewegungslos und fällt in die angstvermeidungsstarre. 
dies ist keine basis für kreativität, innovation und weiterentwicklung. 
denn all dies benötigt eine hohe fehlertoleranz. 
etwas neues zu schaffen erfordert mut zum risiko. 
unsere gesellschaft ist risikoavers geworden. 

doch nur der dumme rennt blind in irgendein risiko. 
und nur der dumme geht dem risiko völlig aus dem weg.

wo bleibt der hausverstand?
ach ja, den hat sich der billa unter den nagel gerissen... besser besagt: die hausverstand... ist seit neuestem weiblich. ziemlich platt. 

also, wo sind die menschen, die selbstreflektiert und mutig neues wagen?
ich setze auf die junge generation. 
ich hoffe, dass sie das zinnsoldat.innen-leben (manchmal ist gendern einfach angesagt!) satt haben und ausbrechen aus dem normierten, kleinkarierten dasein, das die saturierte elterngesellschaft geschaffen hat.

2.
es werden regeln erlassen, doch niemand kümmert sich um die einhaltung derselben.
und dann wird geschimpft auf diejenigen, die diese regeln ignorieren oder nicht ausreichend befolgen...
also bitte, wo gibt es denn so etwas?
ich glaube, dass sich die menschen, die regeln und vereinbarungen erstellen, keine gedanken machen, was passiert, wenn die regeln nicht eingehalten werden, wenn die regeln nicht mehr zeitkonform sind...
es ist nämlich mühsam, konsequent und diszipliniert zu sein.
aber dann wäre es besser, keine regeln zu erstellen. 
viel besser.
denn dann spart man sich viel arbeit und danach viel ärger.

ich glaube auch, dass sich die menschen auch viel zu wenig gedanken machen, wofür die regeln wirklich dienen. welche werte werden präsentiert, welche bedürfnisse sollen erfüllt werden?
wenn ich weiß, wofür etwas dienlich ist... weil z.b.im mannschaftssport fairness ein oberstes gebot ist, oder weil z.b. höflichkeit im umgang mit anderen menschen das leben erleichtert...
dann werde ich die regeln - sofern sie diesen werten dienlich sind - auch gerne befolgen.

und ich glaube auch, dass dann diejenigen, für die diese regeln erstellt wurden, weder gefragt noch ausreichend informiert werden.
sie haben die vorgaben zu erfüllen. ohne zu fragen, ohne widerrede.
so funktioniert ein demokratisches system sicher NICHT.

aber... für solche angelegenheiten fehlt die ZEIT.
die müssen wir (oder die nachkommen) uns später in vielfacher weise nehmen, um all die blödsinnigkeiten zu korrigieren, die jetzt passieren.






Mittwoch, 14. Juni 2017

SELBSTTRANSZENDENZ

http://aktuelles.uni-frankfurt.de/wp-content/
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wenn nichts über dir ist, hast du nichts zu empfangen. 
außer von dir selber. 
was aber erhältst du schon von einem leeren spiegel?

antoine de saint-exupéry





heute früh...im auto...habe ich einen beitrag von raphael bonelli (psychiater, neurologe und autor des buches "männlicher narzissmus. das drama der liebe, die um sich selbst kreist") gehört...im radio auf ö1 in "gedanken für den tag". 
und ich war total berührt.
herr bonelli sprach über selbsttranszendenz.

transcendere kommt aus dem lateinischen und heißt übersteigen.
viktor frankl hat den begriff selbttranszendenz ins leben gerufen und darauf verwiesen, dass "der mensch immer schon ausgerichtet und hingeordnet ist auf etwas, das nicht wieder er selbst ist, sei es etwa ein sinn, den er erfüllt, oder anderes menschliches sein, dem er begegnet. so oder so: menschsein weist immer schon über sich selbst hinaus, und die transzendenz ist die essenz menschlicher existenz." (viktor frankl, der mensch nach der suche nach den sinn, piper verlag, 1995, s. 100)

der mensch wird erst dann ganz er selbst, wo er sich selbst verliert und vergisst. wenn er im dienst einer großen sache aufgeht. wenn er etwas höherem dient.

was mich so berührt hat, war das wort "dienen".

einer größeren sache dienen... damit bekommt dieses wort "dienen" eine tiefere bedeutung. in unserer westlichen "zivilisierten" welt verbinden wir mit "dienen" unterwürfigkeit, erniedrigung, etwas "müssen".

wenn wir das "größere" anerkennen und uns in seinen dienst stellen, dann werden wir heil.
wenn wir erkennen, dass wir teil eines großen ganzen sind, dann verblassen die alltäglichen sorgen und ängste.
wenn wir einen höheren sinn in unserem leben erkennen, dann können wir unsere individuelle vergangenheit, unsere gedanken über die zukunft loslassen und wir lernen, in der gegenwart zu leben.
wir lernen, das leben zu lieben,uns selbst und unsere mitmenschen zu lieben... und ganz von selbst beginnen wir den sinn des menschseins zu erkennen und dienen gern dieser einzigartigen universellen energiequelle.
indem wir dies erkennen und unser ego aufgeben, transzendieren wir uns selbst.

Montag, 12. Juni 2017

ANIMA und ANIMUS

www.pinterest.de/ yeni boyutlar



es gibt sehr viel mehr menschen, 
die angst vor dem unbewussten haben, 
als man erwarten würde. 
sie haben schon angst vor dem eigenen schatten. kommt man gar zu anima und animus, 
so steigert sie sich zur panik.

c.g. jung





jede frau trägt männliche anteile in sich (animus) und jeder mann hat in seinem innersten weibliche anteile verborgen (anima).
anima ist intuitiv, aufnehmend, einfühlsam, aber auch launisch. 
anima führt nach innen, hilft, die eigenen empfindungen ernst zu nehmen, bietet platz für gefühle und fantasie.
anima ist erschaffend, bringt die idee zur manifestation.
anima ist leben gebärend, aufnehmend, umwandelnd und heilend.
anima ist überfließende liebe und dient sich selbst.
das weibliche prinzip ist hingabe, empfänglich und passiv.
der mann hat die aufgabe, diese weiblichen kräfte in sich selbst zu entwickeln.

animus ist rational, bestimmend und beherrschend. 
animus will mutig sein, hat unternehmungsgeist und wahrhaftigkeit und unterstützt die innere wandlung.
animus schützt und hält anima, gibt ihr ein gefäß und schutz.
das männliche prinzip ist struktur, haltend und aktiv.
die frau hat die aufgabe, diese männlichen kräfte in ihr leben zu integrieren.

jeder mensch hat beide anteile in sich. 
um sich als mann zu erkennen, braucht er die frau als spiegel.
um sich als frau zu erkennen, braucht sie den mann als spiegel.

es ist wichtig, dass wir die alten rollenbilder von mann und frau ablegen. 
wenn wir erkennen, dass wir unterschiedliche anteile in uns tragen und all diese aspekte in unser leben transferieren, dann werden wir eines tages heil sein.
dann werden wir im anderen menschen weder eine frau noch einen mann sehen und all die damit verbundenen überkommenen stereotype, sondern wir werden den menschen in seiner einzigartigkeit erkennen und lieben.

(quellen: http://wilfried-ehrmann.blogspot.co.at/2012/10/animus-und-anima-im-21-jahrhundert.html; https://www.utestrohbusch.de/2015/01/17/das-weibliche-und-männliche-urprinzip/)



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