Mittwoch, 19. September 2012

FREI sein - was bedeutet das für DICH?

attersee, oberösterreich, august 2012
copyright@karin luger





das geheimnis der freiheit ist der mut.

perikles








was bedeutet für dich freiheit, frei sein?

ich habe mir lange zeit keine gedanken darüber gemacht. 
ich hatte zu tun, war eingebunden in den arbeitsalltag. 
eingebunden? eher eingepfercht. 
keine zeit, mir über solch belanglose inhalte gedanken zu machen.

heute weiß ich, was dieses kleine wörtchen "frei" bedeutet.
heute habe ich auch zu tun - der unterschied ist, dass ich entscheide, was ich tue.
heute weiß ich auch, dass es von essentieller bedeutung ist, sich über zwei begriffe im klaren zu sein: 

verbundenheit und freiheit.

wenn ich in meinem innersten erfahren habe, dass beides miteinander (er)lebbar ist, dann schwinden meine ängste...
denn was unvereinbar erscheint, ist in wahrheit das leben - bindung und freiheit.

das leben! 
mein leben!
dein leben!

in ständigem austausch.
jede sekunde entscheidet sich das leben, zu sein. in liebe verbunden frei zu sein.
das leben fragt nicht, was es kostet, was es "bringt", ob es lust hat oder nicht...

frei sein heißt wohl, aus seinem innersten herzen heraus zu agieren.
ehrlich zu sich selbst zu sein - und - ehrlich zu den anderen.

zu sich selbst zu stehen, auch wenn es nicht immer bequem ist - das macht frei!











Sonntag, 16. September 2012

SINGEN - ein fest für körper, geist und seele

shivananda ashram, südindien, april 2008
copyright © karin luger

ich fürcht mich so vor der menschen wort. 
sie sprechen alles so deutlich aus: 
und dieses heißt hund und jenes heißt haus, 
und hier ist beginn und das ende ist dort.
mich bangt auch ihr sinn, ihr spiel mit dem spott, 
sie wissen alles, was wird und war; 
kein berg ist ihnen mehr wunderbar; 
ihr garten und gut grenzt grade an gott.
ich will immer warnen und wehren: bleibt fern. 
die Dinge singen hör ich so gern. 
ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm. 
ihr bringt mir alle dinge um.

rainer maria rilke




wie anders klingt ein wort, wenn es gesungen wird. 
so anders, als gesprochen. 

ein wort. ein paar buchstaben - aneinander gereiht. 
ich spreche das wort aus. ich weiß, was es bedeutet. 
das wort findet seinen platz in einem satz. 
ein satz. ich spreche ihn aus. 
ein satz inmitten vieler sätze.

du nimmst die gitarre. töne dringen an mein ohr, dringen weiter. 
ins gehirn. die töne erhalten eine bedeutung. in meinem gehirn. 
bilder tauchen auf.
meer...
sonne...
ich schließe die augen.
die salzige luft, der gegrillte fisch...
gerüche der vergangenheit ziehen durch meine nase.
mein herz. ich spüre mein herz...
die saiten der gitarre schwingen und mein herz...
es schlägt im takt und weitet sich, bis über meine rippen hinaus...

und wie durch einen zauberstab berührt dringen aus meinem inneren töne hinaus zu dir.
die töne erfassen die buchstaben. die worte weiten sich. und nehmen all die erinnerungen auf. berühren alle meine sinne.
die töne, meine töne, vereinen sich mit deinen, mit euren tönen. 
wie all die wassertropfen im fluss, der unentwegt dem meer entgegen zieht.

das meer tönt, ich rieche das salz auf deiner haut, ich singe, ich singe, die saiten der gitarre umhüllen mein pochendes herz, wir schwingen, breiten die flügel, die töne, die töne, das wort, es klingt...






Freitag, 31. August 2012

die ESSENZ des lebens...

krumau, august 2012
copyright©karin luger





erkenne deine essenz und du wirst dem ende beiwohnen ohne zu enden.

laotse








was ist die essenz des lebens? 
die essenz meines lebens? 

diese frage ist mir eingefallen, als ich am seerosenteich im schlosspark von krumau stand. als ich eben diese seerose fotografierte.
seerosen - ich liebe und verehre diese vollendeten geschöpfe der natur. wie sie gleichsam über dem wasser schweben, in keiner der welten vollständig zuhause und doch mit allen vertraut.
dem dunklen entwachsen in absoluter reinheit, die makellosen blätter der sonne entgegengestreckt, ohne hast und ohne furcht... vor der nacht, vor dem heranwelkenden ende. 
die seerose - mein sinnbild der essenz des lebens.

das ist es wohl, das auch ich erlernen möchte. 
ich wünsche mir, eines tages all die tiefen und untiefen ausgelotet, die dunklen abgründe durchschritten, das sein vom schein befreit zu haben. 
die liebe von bedingungen und das leben von angst befreit zu haben.

ein prozess, der mit geduld und selbstempathie ganz sicher gelingt. wie lange er auch dauert, ein erfolg ist ihm gewiss.

wie beim kochen einer exquisiten sauce. reduktion ist das zauberwort. nötiges von unnötigem trennen. langsam. in ständiger achtsamkeit. überflüssiges verdampft. was bleibt, ist wohlschmeckende, duftende essenz.

die essenz hat sich befreit von jeglichen unreinheiten. 
die essenz strahlt aus sich selbst heraus.

und so rühre ich meine sehnsüchte, abhängigkeiten, ungeliebten eigenschaften, ängste und dunklen seiten meines ichs... behutsam und einfühlsam. 
und irgendwann, früher oder später, ist das verdunstet, was nicht mehr zu mir gehört.
dann lebe ich die essenz des lebens. 

ich weiß heute noch nicht so genau, wie dies aussehen wird, wie sich dies anspüren wird.
doch ich weiß, dass ich dann strahlen werde, aus meinem reinen herzen. 
wie die seerose im schlossteich von krumau.







Montag, 20. August 2012

er hat keine WAHL...

wien, august 2012
copyright © karin luger





du hast die wahl. 
du kannst dir sorgen machen, bis du davon tot umfällst. 
oder du kannst es vorziehen, das bisschen ungewissheit zu genießen.

norman mailer








warst du auch schon mal in einer situation, in der du dachtest, keine andere wahl zu haben? 

wir haben immer (mindestens) eine wahl. das ist mir noch nicht so lange bewusst. 
das licht ist mir erst aufgegangen, als ich "the work" von katie byron gelesen habe.

in gesprächen mit lock wurde es mir abermals bewusst: unser denken kreiert unsere "wirklichkeit". 
ich denke, also bin ich. 
ich denke, es geht nicht, also versuche ich es auch nicht. 
und schon habe ich mir meine wirklichkeit geschaffen. self fulfilling prophecy.

was passiert, wenn ich denke, dass ich keine wahl habe?
ist es nicht so, dass ich erst gar nicht nach alternativen suche?
dass ich mich blind in "mein schicksal ergebe"?

was, wenn ich denke, dass es unendlich viele möglichkeiten gibt?
nur einmal angenommen...
wenn ich also denke, dass ich aus verschiedenen optionen wählen kann.
okay - jede option hat ihren preis.
und... viele der optionen habe ich noch nie ausprobiert. ich würde also neuland betreten. ungewissheit. angst? 
wovor habe ich angst? zu scheitern? was genau bedeutet "scheitern" für mich - für dich?
ein weiterer denkprozess...
wo bleibt das vertrauen? 

ich weiß, dass ich zu jeder zeit unendlich viele wahlmöglichkeiten habe.
ich weiß, dass mir im moment nicht alle bewusst sind.
ich weiß, dass mein denken begrenzt ist.
ich weiß auch, dass mir mein herz den weg weisen wird.
und ich weiß, dass alles seinen preis hat.
das ist in ordnung für mich.

gott sei dank - ich habe immer eine wahl!






Samstag, 18. August 2012

mit anderen AUGEN...

lock in schönbrunn, august 2012
copyright©karin luger





man sieht nur mit dem herzen gut, 
das wesentliche ist für die augen unsichtbar.

antoine de saint-exupery






noch vor kurzem war ich in sorge, dass der besuch meines schützlings platzen könnte und nun bereiten wir uns schon wieder auf seine heimreise nach peking vor. 
die vergangenen tage waren erfüllt von staunen, freude und genuss. womöglich sogar noch mehr für mich als für lock. 
wir waren an einigen der schönsten plätze österreichs, immer begleitet von herrlichem wetter. mein größter wunsch wurde erfüllt. was bereits im dunkeln als schön erahnt werden kann, entfaltet sich zur wahren schönheit im sonnenschein. dies gilt für den menschen wie für die natur. die sonne bringt alles ans tageslicht, das schöne wie das hässliche. 
und schönheit liegt bekanntlich im auge des betrachters!

wo auch immer ich mit lock spazierte, es war, als ob ich die wohlvertrauten orte aus einer völlig anderen perspektive erblickte.
ich sah alles mit den augen meines herzens.
ich fühlte, wie sich energie in meinem körper ausdehnte, wie sauerstoff meine zellen durchlüftete und wie ich mit leichtigkeit durch den tag schritt.
wie mir alles entgegen zu lächeln schien...
wie intensiv die farben waren, alles rund um uns leuchtete um die wette...
und noch immer hält die strahlkraft an.
auch ich strahle!
ich fühle innere ruhe und zufriedenheit. es ist die freude, einem anderen menschen eine freude zu bereiten. dies vermittelt mir ungeahnte kräfte, die aus meiner dankbarkeit entspringen!









Samstag, 21. Juli 2012

WARTEN...

Lock, Jänner 2012







alles nimmt ein gutes ende
für den,
der warten kann.

leo tolstoi







alles schien bestens vorbereitet. die flüge gebucht, die versicherung abgeschlossen, bei der fremdenpolizei eine elektronische verpflichtungserklärung abgegeben und an die österreichische botschaft in peking geschickt, geld überwiesen...
damit das visum für einen 14-tägigen besuch ausgestellt werden kann.
doch es kam anders als erwartet.
lock, den ich am 4. august am flughafen in münchen abholen möchte, bekommt kein visum. nicht in der österreichischen botschaft in peking. was wir nicht wussten: als "nicht-chinese" muss er ein mindestens dreimonatiges visum für china besitzen, damit er nach österreich einreisen kann. sein studentenvisum ist nur mehr zwei monate gültig. und die erforderlichen dokumente für sein arbeitsvisum erhält er erst am 8. august.
daran ist nichts zu ändern. vorschrift ist vorschrift.

lock ist einer der beiden burschen, die ich während meiner weltreise in laos kennen gelernt habe und für die ich so etwas wie eine ersatzmutter bin.
er hat sein masterstudium an der internationalen universität in peking mit ausgezeichnetem erfolg abgeschlossen.
als er gerade 5 jahre alt war, ist seine mutter gestorben. der vater starb voriges jahr.
seine kindheit und jugend verbrachte er im tempel, freiwillig, um in die schule gehen zu können. laos ist ein sehr armes land. 
lock hatte glück. er lernte dennis kennen. einen amerikaner, der während seiner besuche in laos gratis englisch-unterricht in tempeln gibt. locks talent blieb ihm, wie mir, nicht verborgen. er hat ihm ermöglicht, in peking studieren zu können.

die zeit drängt. 
bis freitag war die hoffnung, dass die arbeitsbewilligungsdokumente noch rechtzeitig fertig werden. 
warten
und andere optionen überlegen. 
und die botschaft kontaktieren, ob es doch eine möglichkeit gäbe, ein visum zu erhalten. nein. nicht in china.

es steht fest - lock muss nach laos fliegen, um dort bei der deutschen botschaft ein visum  zu beantragen. wieder warten. und hoffen, dass alle dokumente rechtzeitig einlangen.

während ich warte, lerne ich. 
über mich. 
je länger die wartezeit, umso mehr drängeln urteile, gefolgt von ärger, sie wollen beachtung. 
warten kann ein sehr schöpferischer prozess sein. wenn du es zulässt. wenn du dich nicht von deinen (ver)urteil(ung)en vereinnahmen lässt.
ich spüre die unruhe, die besorgnis, aber auch den groll und den ärger.
ich brauche jetzt die gewissheit, dass alles zur rechten zeit in ordnung geht.
warten.
gedanken über die unsinnigkeit von grenzen, hoheitsansprüchen, botschaften, aufenthaltsgenehmigungen, hochmut und anmaßung kommen mir in den sinn...
warten.
ein anflug von ärger. eine zynische bemerkung.
dann selbstempathie.
warten.
ich vertraue darauf, dass ich lock am 4. august in meine arme schließen kann.
freude und liebe erfüllen mein herz.
und schon haben sich alle düsteren gedanken und gefühle verflüchtigt.

alles nimmt ein gutes ende für mich, die warten kann.

Dienstag, 10. Juli 2012

RUHE vor dem STURM...

langbadsee, oberösterreich, sommer 2010
copyright © karin luger


die nacht, vom wachsenden sturme bewegt,
wie wird sie auf einmal weit,
als bliebe sie sonst zusammengelegt
in die kleinlichen falten der zeit.
wo die sterne ihr wehren, dort endet sie nicht
und beginnt nicht mitten im wald
und nicht an meinem angesicht
und nicht in deiner gestalt.
die lampen stammeln und wissen nicht:
lügen wir licht?
ist die nacht die einzige wirklichkeit
seit jahrtausenden...

rainer maria rilke




eine grauschwarze wolkenfront am horizont, noch ist der himmel blau und eine angenehme brise lässt mich von unendlich langen warmen sommerabenden träumen...

mit dem heranziehen der wolken wandelt sich das laue lüftchen, die birkenkronen verneigen sich, die blätter der espen rascheln um die wette und die ähren des kornfelds wogen auf und nieder, hin und her. der wind treibt die wolken vorwärts, näher und näher.

in der ferne ein wetterleuchten. 
das gewitter rückt näher, das erste ferne donnergrollen verhallt.
und plötzlich, wie von geisterhand gesteuert, herrscht absolute stille. kein hauch bewegt die blätter der birken. kein vogelgesang. es ist still, doch nicht friedlich. es liegt eine anspannung in der luft. alles hält die luft an.

es ist, als ob sich alles duckt... wissend, dass die entladung bevorsteht. 

die natur ist unser spiegel.
auch zwischen uns menschen braut sich so manches gewitter zusammen. wenn wir unstimmigkeiten verdrängen, nicht klären, dann steigt die anspannung und irgendwann erfolgt die entladung.
wie bei einem gewitter ist danach die luft wieder klar und rein.
doch wie auch bei einem gewitter kann es sein, dass die sonne auf ein feld der verwüstung scheint. der blitz hat eingeschlagen und alles in seinem umfeld zerstört.

manchmal ist es uns einfach nicht möglich, unstimmigkeiten sofort zu beseitigen. wir haben angst vor den folgen, vor den möglichen konsequenzen.
und so steigt innerlich der groll, wie bei einem fernen gewitter...

doch welche konsequenzen, welche folgen haben wir zu tragen, wenn die anspannung in einem schlimmen streit zerplatzt? wenn die blitze des hasses und der vergeltung hernieder prasseln? wenn die stimmen aufeinander prallen und die verletzenden worte wie das donnergrollen in den ohren widerhallen.

die ruhe vor dem sturm.
ich kann sie wahrnehmen.
ich kann sie nutzen und mir der anspannung bewusst werden.

ich weiß, dass ich es in der hand habe: 
ob sich ein gewitter der bewertungen und urteile entlädt oder ob ich ein aufrichtiges und klärendes gespräch suche.

denn... was zerbrochen ist, das wird nie wieder so wie es zuvor war, auch wenn es in mühevoller kleinarbeit zusammengeklebt wird...

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