Donnerstag, 29. Dezember 2011

abschiede...

noah verabschiedet die gäste, se ka, thailand, dezember 2011
copyright©karin luger
wie hab ich das gefühlt, was abschied heißt.
wie weiß ichs noch: ein dunkles unverwundnes
grausames etwas, das ein schönverbundnes
noch einmal zeigt und hinhält und zerreißt.
wie war ich ohne wehr, dem zuzuschauen,
das, da es mich, mich rufend, gehen ließ,
zurückblieb, so als wärens alle frauen 
und dennoch klein und weiß und nichts als dies:
ein winken, schon nicht mehr auf mich bezogen,
ein leises weiterwinkendes, schon kaum
erklärbar mehr; vielleicht ein pflaumenbaum,
von dem ein kuckuck hastig abgeflogen.
(rainer maria rilke)


solange ich wie ein kleines behendes boot auf der glitzernden oberfläche des gefühlsmeeres dahinschaukelte, schien mir das leben durchaus angenehm und freundlich. stärkere stürme überlebte ich unbeschadet, blieb ich doch immer in der nähe des hafens und bewegte mich kaum hinaus aufs offene meer. 


hat was für sich, die sicherheit. hat auch was gegen sich. 


je länger ich mich in sicheren gewässern bewegte, umso stärker wurde die angst, dass eines tages irgendetwas unvorhergesehenes passieren könnte. was sollte ich dann tun? ich war ja mittlerweile träge geworden im ruhigen hafen.
irgendwann hat die neugier über die angst gesiegt. ich habe mich hinausgewagt und so manche riesenwelle ist über mich geschwappt, hat mich hinabgezogen in die unendlichen tiefen des gefühlsozeans, hat mich losgelassen und an den strand gespült, wo mich die sonne gewärmt hat.

ich lerne mit jedem mal ein wenig mehr über mich und die welt der gefühle. über jene gefühle, die ich denke, die ich konstruiere, und über jene, die ganz tief in mir rumoren, deren intensität ich noch nicht in ihrer ganzen wahrheit erfahren habe. doch ich öffne mich ihnen jedes mal ein wenig mehr. 
und ich bemühe mich, diese gefühle ganz genau zu betrachten, diese meine gefühle!
wenn ich spüre, wie die trauer sich ausbreitet, wie eine plastikplane, die alles zudeckt und erstickt.
wenn ich spüre, wie die freude emporsprudelt, wie eine fontäne, die den himmel begrüßt.


ich habe mich auf eine reise begeben und dachte schon, dass etwas passieren wird...
doch ich wußte nicht, was genau...
ich habe in diesen tagen, die ich in thailand und nun in laos verbringe, intensive kontakte mit den unterschiedlichsten menschen gehabt. menschen aus den unterschiedlichsten milieus.
ich wurde mit solcher herzenswärme aufgenommen, die mich in erstaunen versetzte.
und auch mein abschiedsschmerz erstaunte mich. die tiefe des gefühls machte mir beinahe angst. doch nur ganz kurz. denn ich weiß, dass ich begonnen habe, wirklich zu leben. 
abschied nehmen ist schmerzhaft, denn ich scheide vergangenes von der gegenwart. und das ungewisse der zukunft strahlt darüber. werde ich diese menschen jemals wiedersehen?
doch nur im loslassen lebt die essenz. 


ist doch das leben in jedem augenblick ein abschiednehmen!


wie hat doch einst mein geliebter dichter hermann hesse geschrieben:
wohlan denn, herz, nimm abschied und gesunde!








Mittwoch, 21. Dezember 2011

weihnachten 2011

chiang mai, thailand, dezember 2011
copyright©karin luger




eines tages wird alles gut sein. das ist unsere hoffnung.
heute ist alles in ordnung. das ist unsere illusion.

voltaire (1694-1778)





ich sitze in meinem gästehaus in chiang mai, soeben vom dinner mit drei älteren herren aus den usa zurückgekehrt. dem winter entflohene, die hier die wärme suchen. äußerlich wie innerlich. es geht ihnen gut, sie genießen das leben. und doch hinterlassen sie in mir ein gefühl der einsamkeit. 
vielleicht sind sie auch nur ein spiegel, in den ich blicke. mein eigenes spiegelbild, das ich wahrnehme. durch den schleier des angenehmen lebens, des warmen klimas, des herrlichen essens blickt mich die einsamkeit an. stumm und unbeirrt. sie ist da. in mir und um mich. 

in drei tagen ist weihnachten. in zwei tagen ist der geburtstag meiner schwester susanne.
und ich übe mich im annehmen. dessen, was in mir lebendig ist. ich nehme wahr, dass ich mich einsam fühle inmitten all der menschen. ich nehme auch meine trauer wahr. dass meine schwester diese erde verlassen hat. dass sie mich zurückgelassen hat. 
doch ich hadere nicht. ich lasse diese gefühle zu, aber ich lasse sie auch wieder gehen.

der schmerz gehört zum jetzt. das jetzt vergeht jeden augenblick. so auch der schmerz. auch das glück. und auch das weihnachtsfest. 

ich werde weihnachten mit fred und seiner frau feiern. er ist jude, sie ist buddhistin, sein sohn ist moslem und ich bin christin. wir feiern, dass wir alle eins sind. dem licht entsprungen und eines tages dorthin zurückkehrend - egal, welchem glauben wir uns zugehörig fühlen.
ich werde weihnachten auch mit susanne feiern. 
es wird ein besonderes weihnachten sein.

ich wünsche allen ein ganz besonderes weihnachtsfest - eine verbundenheit mit allen menschen zu spüren, ganz besonders mit jenen, die euch sehr nahe stehen. 

weihnachten ist das fest der liebe, der vergebung und der freude!



Sonntag, 4. Dezember 2011

die märkte werden mit geld geFLUTet...


freiwillige spenden für das kumplgut, märz 2011
www.kumplgut.at
copyright©andrea niederkofler





„geld mag die schale für vieles sein, aber nicht der kern. es verschafft dir essen, aber nicht appetit, medizin, aber nicht gesundheit, möglichkeiten zum kennenlernen, aber nicht freunde, diener, aber nicht treue, tage der freude, aber nicht frieden noch glück.“


henrik ibsen (1828-1906)






flutwellen rollen übers land - einmal in wasser gehalten, das andere mal in geld. gleich hinten nach rollt die informationsflutwelle. 
wir wollen es ja wissen. 
und dann? 
was wissen wir dann, nachdem wir von den medien geflutet worden sind?
kannst du mir erklären, wie man die märkte mit geld flutet? wie stellst du dir das vor? machst du dir überhaupt gedanken, was rund um dich passiert? oder liest du die zeitung, hörst und siehst die radio- bzw. fernsehnachrichten, (die untergehen im brei aus talkshows, serien, kochshows und werbeeinschaltungen), um dich zu zerstreuen?
ich glaube auch daran, dass durch solch ein passives vorgehen eine zerstreuung stattfindet anstelle einer konzentration (auf das wesentliche - was dies auch immer für dich sein mag!).
es ist höchste zeit, das, was wir hören und sehen, zu reflektieren. kann das wahr sein? seien wir doch kritisch, nutzen wir unseren hausverstand! 
fragen wir nach, wenn uns etwas unklar ist! 
wir haben alle möglichkeiten der welt - noch nie zuvor hatten wir so viele informationsquellen, nutzen wir diese!

seit ende juli kauft die europäische zentralbank (ezb) wöchentlich anleihen im gegenwert von ca. 7,7 milliarden euro, trotzdem stieg die rendite zehnjähriger italienischer staatsanleihen auf über 7%.

ich frage mich, was da auf den bondmärkten vor sich geht...
und ehrlich - ich bin froh, dass ich nicht mehr (aktiver) teil dieses wahnsinns bin!

seit 2008 werden sowohl in den usa wie auch in europa hunderte milliarden dollars bzw. euros den banken zur verfügung gestellt - hauptsächlich durch ankauf von staatsanleihen, wodurch geld in die märkte gepumpt wird (erhöhung der liquidität). 

grundsätzlich führt eine solche transaktion zu steigender inflation...

ich frage mich, ob die veröffentlichten inflationsdaten (und auch alle anderen!) der wahrheit entsprechen...

ein winziger einblick in die welt der finanztransaktionen:
märz 2009 us notenbank (fed) kauft staatspapiere im gegenwert von 300 mrd usd an, stellt insgesamt 1 billion dollar zur stützung des finanzmarktes zur verfügung 
juni 2009 - ezb unterstützt banken mit 442 milliarden euro
dezember 2009 - weitere 100 milliarden euro werden von der ezb für banken bereit gestellt
november 2010 - fed kauft anleihen im gesamtwert von 850 bis 900 milliarden dollar zurück
november 2011 - ezb, fed, sowie die notenbanken kanadas, japans, großbritanniens und der schweiz stellen europäischen banken dollars zur verfügung
(vgl. http://www.abendblatt.de/wirtschaft/article2110990/Notenbanken-fluten-die-Maerkte-Dax-schiesst-ueber-6000-Punkte.html)


wie genau diese geldflut aussieht, habe ich nicht eruieren können - außer dass es sich um eine verbilligung von dollar-swap-geschäften handeln soll, damit die europäischen banken sich wieder leichter dollars beschaffen können. 
wie viele dollars und wie lange wie viele dollars?

wem nützt diese transaktion in wirklichkeit?
und wie lange?

wen kümmert es schon!

meines erachtens ist bereits seit 2008 alles aus dem ruder gelaufen und wir tanzen auf dem vulkan! 
wir leben im überfluss und wollen, dass die wirtschaft unaufhörlich weiterwächst.

fast wie ein krebsgeschwür, oder? das wächst auch unaufhörlich. 
oder wie eine mistel
die mistel ist ein schmarotzer und entzieht ihrem wirt sukzessive die lebenskraft!







Samstag, 3. Dezember 2011

ich MUSS...

die "desperate housewives" aus oö, märz 2011
copyright©karin luger



kein mensch MUSS müssen

gotthold ephraim lessing 
(nathan der weise)







es ist schon erstaunlich, wie oft ich am tag "müssen" sage. gut, nicht mehr ganz so viel, seitdem ich mehr aufpasse, was ich so den lieben, langen tag plappere. 

ich muss jetzt gehen, ich muss aufstehen, ich muss einkaufen, ich muss eine präsentation vorbereiten, ich muss abnehmen,...

wieso verwenden wir dieses MUSS so gerne und so oft?
was möchten wir damit signalisieren?
klingt das nicht ein wenig nach "ich würde ja gerne was anderes tun, aber...", so nach dem motto "auftrag von ganz oben, duldet keine widerrede"?
es ist wohltuend, nachzudenken, was ich will, was ich möchte. und noch wohltuender ist es, wenn ich dies auch umsetze. 

ich gehe jetzt, ich möchte morgen um 6 uhr aufstehen, gehst du bitte einkaufen, ich werde heute nachmittag meine präsentation vorbereiten, ich will abnehmen, ...

wenn ich häufig das wort MUSS verwende, dann passiert bei mir folgendes:
1. ein widerwille baut sich auf, jegliche freude schwindet und mein tun ist von unmut, und mangelnder konzentration begleitet.
2. ich gebe mit diesem kleinen wörtchen die verantwortung ab. an wen, das ist hier die gute frage! sobald ich MUSS sage, bringe ich ja zum ausdruck, dass ich gar nicht anders kann, selbst wenn ich anders wollte!

auch wenn manches MUSS so einfach dahingesagt ist, ohne größere dramatische bedeutung, so ist es trotzdem wichtig, sich selbst zuzuhören. damit nicht früher oder später dramatik ins leben einzieht.
denn die kommt spätestens dann, wenn wirklich wichtige entscheidungen anstehen. und dann wäre es äußerst hilfreich, wenn wir bereits vorher in den kleinen angelegenheiten des alltags geübt hätten.
wenn wir geübt hätten, das eine oder andere mal NEIN zu sagen.
wenn wir geübt hätten, offen und ehrlich position zu beziehen.
wenn wir erforscht hätten, was wir wirklich wollen.
denn dann fällt es uns viel leichter, auch in schwierigen situationen des lebens - sei es im beruf oder in der partnerschaft - aufrichtig zu sagen, was wir wollen.

wir müssen weder bis ans lebensende denselben job ausüben, mit denselben menschen zusammen arbeiten noch einen launenhaften chef erdulden.
wir müssen auch nicht in einer partnerschaft verhaftet bleiben, die uns schwächt.
wir müssen nicht alles hinunterschlucken, weil etwas zu sagen ohnehin nichts bringt.
diese liste kann beliebig fortgesetzt werden...

was wir tun können, ist:
fragen wir uns selbst, wenn wir wieder einmal das wort MÜSSEN ausgesprochen haben, welches bedürfnis wir uns erfüllen. 
wozu ist es gut, dass ich dies tue (obwohl ich es MUSS)
und wenn ich erkenne, dass es mir in keinster weise dient, dann ändere ich es, damit ich es nicht mehr tun MUSS.

ich übernehme verantwortung für meine aussagen und mein tun. 
das macht frei, erhöht den selbstwert und verschafft achtung, respekt und anerkennung!



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