Freitag, 8. Juli 2016

wieviel SCHUTZ benötigt die SEELE?

porto colom, mallorca 2014
copyright@eva neuburger



eine liebende seele ist unbesiegbar.

william butler yeats


eine gesunde seele erträgt alles, 
eine kranke nicht einmal das glück.

august pauly




unser leben ist ein auf und ab zwischen schmerz und glück - in unterschiedlichen intensitäten. und alles erlebte ist ein teil von uns. 
es stellt sich die frage: wie gehen wir mit all diesen erlebnissen um? vor allem mit den schmerzhaften…

es scheint, dass das schmerzhafte in der kategorie "negativ, unerwünscht, bestrafung" abgelegt wird und viele anstrengungen unternommen werden, damit der schmerz nicht mehr spürbar wird. wir sind ja keine masochisten!

ich habe lange zeit meine wunden ignoriert, habe aufkeimende schmerzhafte erlebnisse und erinnerungen sofort verdrängt. und ich habe für meinen schmerz immer eine "schuldige" person gefunden. passt gut ins verdrängungsschema! denn wenn jemand anderer die schuld hat, dann hat auch dieser jemand andere etwas zu ändern. und nicht ich!

heute, nach vielen jahren der beschäftigung mit mir selbst (welche unaufhörlich anhält - hoffentlich bis über meinen tod hinaus…) weiß ich, dass das schönste geschenk, das ich mir jemals gemacht habe, das zulassen des schmerzes war. gut, im moment des zulassens und auch noch einige zeit danach tut es weh… aber nicht mehr so stark wie damals, als mich der schmerz zum ersten mal erfasste. jedes mal, wenn ich mich dem schmerz öffne, dann spüre ich, wie der schmerz sich mehr und mehr von mir entfernt, wie er immer leichter wird. und danach ist stille im körper. und die seele atmet auf.

wenn menschen davon sprechen, dass sie sich vor "schlechten" einflüssen schützen "müssen", dann meinen sie meist, dass sie selbst so bleiben wollen, wie sie eben sind und dass sie eine "schutzmauer" rund um sich errichten. dass sie härte entwickeln. man kann sich ja nicht um alle probleme der mitmenschen kümmern…
das ist ein wahres wort!

wenn wir uns einen genügend starken schutzpanzer geschaffen haben, sodass das schmerzhafte uns nicht mehr berühren kann und wir uns erfolgreich nicht mehr um die probleme der andern KÜMMERN, ist unsere seele VERKÜMMERT.

der beste schutz für meine seele besteht darin, dass ich mich von meinem seelenschmerz  berühren lasse, dass ich mir liebe und trost schenke, dass ich vertrauen entwickle.

dann kann ich auch vom schmerz meiner mitmenschen berührt werden ohne dass es mich in meinen grundfesten erschüttert. 
und dann kann ich den menschen zuhören, mich einfühlen und wir können gemeinsam wachsen!

Sonntag, 3. Juli 2016

NUTZLOS…

euböa, griechenland, august 2015
copyright@karin luger





wenn du einen vollkommen nutzlosen nachmittag auf vollkommen nutzlose weise verbringen kannst, hast du gelernt zu leben.

lin yu tang






ich erinnere mich noch sehr gut an die zeit nach meinem geregelten leben als bankerin.
endlich frei, mit der seele baumeln, alles das tun, was vorher nicht möglich war…

gut, zunächst war ich 10 monate unterwegs - sozusagen der freibrief für ein unbeschwertes leben. wenn du auf reisen bist, tust du ja auch was. du lernst neue kulturen kennen, bist auf der suche nach quartieren, nach interessanten locations, lernst neue menschen kennen…

doch dann kam ich nach hause.
und nach einer kurzen akklimatisierungsphase tauchten die alten, schon fast vergessenen verhaltensmuster mit einer ziemlichem vehemenz wieder auf. 
du musst etwas leisten. 
du kannst nicht einfach nur so herumsitzen. 
du brauchst einen job. 
wer nichts arbeitet, ist ein nichtsnutz.

ich hatte mich so darauf gefreut, auch in österreich noch ein wenig die freiheit zu genießen, bevor ich mich wieder in die arbeitswelt eingliedern würde.
doch irgendwie wollte das mit der freiheit nicht wirklich gelingen.
ich hatte ständig ein schlechtes gewissen.
und so tat ich unentwegt irgendetwas, damit ich nicht nutzlos herumsitzen würde. ich konnte nicht einmal einen roman lesen. auch das war für mich eine reine freizeitbeschäftigung und die war ich mir nicht vergönnt. 

bis ich eines tages mit mir selbst zu sprechen begann:
mach doch mal die augen auf. 
du wolltest diese situation, du hast sie dir erträumt. 
jetzt ist es genauso, wie du es wolltest und du zappelst ständig herum. 
setz dich hin, schließe die augen und meditiere. 
punkt. 
das ist eine anweisung. 
ende der durchsage.
ich nahm mir meine anweisung zu herzen. und schritt für schritt lernte ich, auch zu hause die stunden des nichtstuns in mein leben zu integrieren. z.b. an einem wochentag - während alle anderen ihrer arbeit nachgingen - einfach in den wald zu spazieren. ohne ziel, einfach nur den duft der bäume einzuatmen, dem gesang der vögeln zu lauschen…

und ich sage nur eines:
SEHR EMPFEHLENSWERT!


Montag, 13. Juni 2016

UNGEWISSHEIT und HOFFNUNG

essen in japan… mai 2014
copyright@karin luger


die ungewissheit ist schlimmer als die enttäuschung.

robert burns


o hoffnung, du scheherezade!

betty paoli





wieso verharren wir manchmal in einer ausweglosen situation? 
und hoffen, dass sich etwas von alleine bessert…

wieso ziehen wir manchmal die quälende ungewissheit einem "ende mit schrecken" vor?
weil wir hoffen, dass sich doch noch etwas zum besseren wendet…

meine mutter hat den ausspruch getätigt "besser ein ende mit schrecken als ein schrecken ohne ende" - in vielen fällen sehr zu empfehlen!

doch der mensch verharrt gerne. 
leiden ist leichter als lösen.
denn… es könnte auch noch schlimmer kommen.
auch wenn die situation kaum zu ertragen ist, hat es doch den entscheidenden vorteil: man kennt es und man hat gelernt, damit umzugehen. es ist belastend, aber es ist gewiss.
und so bleibt man lieber passiv, gewissermaßen in der opferrolle.

wenn wir lernen, vertrauen zu entwickeln, dass wir unendlich viele möglichkeiten haben, aus einer schwierigen situation zu entkommen, dann würden wir aktiv werden. zu wissen, dass ich immer etwas ändern kann, gibt mehr als nur hoffnung.

wenn wir erkennen, dass das leben ungewiss ist, dass vieles anders kommt, als wir geplant haben, dann lernen wir, uns selbst zu vertrauen und werden wieder mutig.
















Mittwoch, 25. Mai 2016

HIMMEL und ERDE...

linz, café traxlmayr, november 2010
copyright©karin luger



der mensch kann nicht leben ohne ein dauerndes vertrauen zu etwas unzerstörbarem in sich, wobei sowohl das unzerstörbare als auch das vertrauen ihm dauernd verborgen bleiben können.

franz kafka





ich arbeite als ehrenamtliche mitarbeiterin des mobilen hospizes der caritas.
gestern ist ein herr gestorben, den ich für ein paar wochen begleitet habe. 

wann immer jemand diese welt verlässt, mit dem wir eine innige verbindung haben, verändert dies unser leben. 
nichts ist nachher so wie vorher.

wie wir das "nachher" leben wollen, hängt sehr damit zusammen, welches weltbild wir haben.
und dazu passt das von mir gewählte zitat sehr gut.

ich fühle eine tiefe gewissheit, dass etwas unzerstörbares uns menschen verbindet.
dass da eine unversiegbare quelle existiert, aus der ich, du, wir… schöpfen.

diese gewissheit, dieses vertrauen gibt mir kraft, gibt mir zuversicht, erfüllt mich mit freude. 
mehr noch. 
ich empfinde tiefe, unendliche liebe… zu mir selbst und zu meinen mitmenschen. 
zu den lebenden. 
und zu den verstorbenen. 
ich fühle die verbindung des geistes. des immerwährenden, unzerstörbaren geistes.
ich bin verbunden mit dem himmel und der erde.
wir alle sind verbunden mit himmel und erde.

manchen menschen ist diese verbindung nicht bewusst.
auch mir war diese verbindung lange nicht bewusst.

dank der unterstützung meiner schwester andrea und meiner 2011 verstorbenen schwester susanne habe ich mich selbst wirklich kennen gelernt. 
habe ich gelernt, mich selbst zu lieben. 
habe ich gelernt zu vertrauen. 
zu vertrauen in mich selbst und in das unzerstörbare in mir und dir.

DANKE andrea.
DANKE susanne.


Dienstag, 24. Mai 2016

wahre GRÖSSE...

ulrichsberg, juni 2015
copyright©karin luger







der weg des meisters geht zurück auf folgendes:
anspruch gegenüber sich selbst,
milde gegenüber den anderen.

konfuzius








die letzten tage waren - politisch betrachtet - sehr spannend. ein neuer bundeskanzler, vier neue regierungsmitglieder, ein neuer bundespräsident.
es gibt viel zu tun.

ich gestehe, dass ich in den letzten jahren immer politikverdrossener geworden bin. 
mir mangelte es an klaren aussagen, an perspektiven, an informationen… vor allem von den beiden regierungsparteien. 
die vertreter der freiheitlichen partei waren in ihren aussagen - vor allem gegenüber menschen aus dem ausland - klar und deutlich. 
und somit war es auch für mich klar, dass ich diese haltung niemals teilen werde.

ich habe mir die ersten öffentlichen ausssagen des neuen bundeskanzlers angehört.
und zum ersten mal seit langer zeit habe ich gespürt, dass hier ein mensch spricht, der sich für die menschen im land engagieren will, der rückgrat hat und verantwortung übernehmen will.
ich habe bewusst geschrieben - gespürt - 
wir alle haben ein untrügliches sensorium für authentizität.
wenn jemand spricht, dann nimmt unser unterbewusstes alle signale der sprechenden person auf (körpersprache - mimik, gestik, intonation,…). 
wir spüren, ob eine person "echt" ist.

ich bin sehr erleichtert und für die zukunft österreichs sehr positiv gestimmt.
bundeskanzler christian kern und bundespräsident alexander van der bellen sind reife persönlichkeiten, die für mich genau das aussenden, was konfuzius einst sagte - dass sie gegenüber sich selbst hohe ansprüche haben und für ihre mitmenschen verständnis und kooperationsbereitschaft zeigen.

Sonntag, 8. Mai 2016

WIRKLICHKEIT

wien, zentralfriedhof, 2014
copyright@karin luger







was wir wirklichkeit nennen, ist nur eine art, die welt zu sehen, aber es ist nicht die einzige…

carlos castaneda









es ist von enormer bedeutung, dass wir folgendes erkennen:
alles, was wir als "richtig" und "wahr" bezeichnen, ist aus unserer erfahrung und der anschließenden bewertung entstanden.

wir wachsen im leib unserer mutter heran, wir erblicken das licht der welt und entwickeln uns. alles, was wir als kleine wesen erleben, ist für uns real und wird (zunächst) nicht hinterfragt und reflektiert. 

wenn der vater die mutter schlägt, glauben wir, dass dies so gehört. 
wenn die eltern andere menschen hassen, dies immer wieder auch aussprechen, dann ist auch das für uns "normal" und "richtig". wir haben als kleine kinder ja noch keine vergleichsmöglichkeiten. selbst wenn wir sie hätten, würden wir uns wahrscheinlich wehren, die wirklichkeit anderer zu übernehmen.

die menschen, die die herwachsenden kinder betreuen, haben einen großen einfluss.
erziehungsberechtigte sollten sich dieser verantwortung bewusst sein.

doch:
wie auch immer ich erzogen wurde, wie auch immer mein gedankengut geprägt wurde… ich habe jederzeit die möglichkeit, meine wirklichkeit neu zu gestalten.
voraussetzung dafür ist, dass ich anerkenne, dass es unendlich viele sichtweisen gibt.
und dass es absolut keinen sinn macht, zu sagen, das ist richtig und das ist falsch.
denn so wie ich behaupte, dass meine ansichten richtig sind - so tun es andere auch.
wer hat nun recht?

wenn wir beginnnen, mit dem herzen zu "denken", uns in die anderen menschen einzufühlen, dann werden wir ganz schnell erkennen, fühlen, spüren, realisieren, dass die liebe alle gedanken und verhaltensweisen akzeptiert. dass wir eine verbindung zu unseren mitmenschen schaffen, die über der egoistischen, kleinen wirklichkeit des individuums steht.

beginnen wir jetzt.
fühlen wir uns in unsere mitmenschen ein.
vor allem in jene, die wir nicht mögen.

dann geschieht das wunder.

Sonntag, 1. Mai 2016

POLITIK




politik bezeichnet die regelung der angelegenheiten eines gemeinwesens durch verbindliche entscheidungen.

wikipedia


politik ist die summe der mittel, die nötig sind, um zur macht zu kommen und sich an der macht zu halten und um von der macht den nützlichsten gebrauch zu machen.

machiavelli (um 1515)




ich habe dieses buch, dessen titelseite hier abgebildet ist, nicht gelesen. 
ich werde es auch nicht lesen. denn ich möchte mich nicht mit klugen texten auseinandersetzen, um dann in der realität genau das gegenteil zu erleben.

es ist jammerschade, dass sich in europa ein gegeneinander immer mehr durchsetzt. zumindest erscheint es so, wenn man den medien trauen darf.

die etablierten politischen parteien bekommen die frustration und wachsenden ängste ihrer bürger.innen zu spüren. die rufe nach starken persönlichkeiten werden lauter. leider liegt die stärke so mancher "starker politiker.innen" eher in ihren hetzerischen ansagen als in konstruktiven bzw. verbindenden visionen und strategien. gegen ausländer, gegen das establishment, gegen den islam,… ein gemeinsamer feind eint die unzufriedene masse.

es scheint nicht unbedingt förderlich, wenn eine partei zu lange an der macht ist. 
zunächst passiert das, was machiavelli vor 500 jahren gesagt hat - macht für den eigenen zweck bestmöglich einzusetzen. 
und irgendwann setzt dann trägheit ein. die trägheit bekommt sehr schnell begleiter: blindheit, taubheit und angst.
um die angelegenheiten des volkes erfolgreich regeln zu können, sind all diese attribute abzulegen.
stattdessen erfordert es ehrlichkeit, verlässlichkeit, mut und offenheit.

zu vieles ist den politikern über den kopf gewachsen. 
es scheint, dass die macht, die sie vielleicht irgendwann einmal hatten, an jene abgegeben haben, die sie finanzieren. 
geld ist macht. 
und genau hier liegt in meinen augen das übel.
denn die wirklich mächtigen zeigen sich nicht. und womöglich sind die politiker nur mehr ihre marionetten.

doch das volk hat das recht zu erfahren, wer im hintergrund dirigiert.
wir haben das recht zu erfahren, ob und für welche zwecke politiker instrumentalisiert werden.

ich wünsche mir, dass politik wieder ehrlich ist. dass politiker sagen, wie es ist. 
dass sie sich in vielen bereichen die hände haben binden lassen. 
dass sie immer mehr an einfluss verloren haben. 
dass sie schlichtweg überfordert sind.

denn wir erwarten keine wunder.
wir wünschen uns klarheit. auch wenn sie schmerzlich ist.




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