Montag, 12. November 2018

STERBEN...

ulrichsberg, im winter 2017
copyright©karin luger




o herr, gib jedem seinen eignen tod,
das sterben,
das aus jenem leben geht, 
darin er liebe hatte,
sinn und not.

rainer maria rilke





in den letzten oktobertagen sind zwei liebe menschen gestorben
allerheiligen und allerseelen... und ich erinnerte mich an all die mir verbundenen menschen, die nicht mehr am leben sind.

auch wenn wir die gnade haben, ein langes und erfülltes leben führen zu dürfen, müssen wir doch eines tages von dieser welt gehen. uns in die hände gottes begeben und darauf vertrauen, dass wir gehalten und geborgen sind.

unser leben ist endlich.
das ist unausweichlich und jeden tag, den wir leben, gehen wir einen schritt dem tod entgegen.

im angesicht des todes verblassen viele alltägliche probleme. die kleinen zankereien erscheinen sinnlos und lächerlich. es wird uns bewusst, wie wichtig und wertvoll die stunden sind, die wir mit lieben menschen verbringen. diese verbindungen des herzens nehmen wir in die andere welt mit, da bin ich mir ganz sicher.
sicher ist auch, das wir all die materiellen dinge, für die wir viele jahre gearbeitet haben, zurück lassen müssen.

ich glaube, dass wir uns immer wieder aufs neue besinnen sollten, dass wir mehr zeit mit unserer familie, unseren freunden und hilfsbedürftigen menschen verbringen sollten.

all die wunderschöne zeit, die bereichernden stunden, das weinen und das lachen... sind es wert, damit wir eines tages reich an beglückenden erlebnissen sterben können.

Dienstag, 9. Oktober 2018

VERANTWORTUNG

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die scheu vor verantwortung ist eine krankheit unserer zeit.

fürst von bismarck (1815-1898)





gestern wie heute... ist verantwortung übernehmen in aller munde, doch kaum in händen. es scheint, als ob sich im laufe der geschichte wenig verändert hat. 
heute meint man, dass die welt so schnelllebig, unübersichtlich und komplex geworden ist, dass es den menschen unmöglich gemacht wird, verantwortung zu übernehmen. außerdem würden ohnehin die großen konzerne die geschicke der menschen leiten...

worum geht es, wenn wir von verantwortung übernehmen sprechen?
es geht darum, dass ich verantwortung dafür übernehme, was ich DENKE, SAGE und TUE.
wenn ich beginne, nicht nur meinen körper zu reinigen und zu pflegen, sondern auch meinen geist, so werde ich mich dabei beobachten, dass ich bewusster durchs leben gehe, mehr und mehr verständnis für andere menschen entwickle, neugieriger werde und dort, wo vorher unsicherheit und angst geherrscht haben, auf einmal freude und lebenslust einziehen.
wenn wir unsere eigene welt ändern, dann wird sich auch die welt um uns herum verändern!
es gilt also, zuerst vor der eigenen haustüre zu kehren, bevor ich über den müll vor der türe des nachbarn schimpfe...
doch es ist um vieles bequemer, anderen menschen mangelndes verantwortungsbewusstsein vorzuwerfen, als das eigene handeln zu hinterfragen und die nötigen schlüsse daraus zu ziehen.

was kann ich tun, um die welt ein wenig besser, freundlicher und sauberer zu machen?
ich übernehme verantwortung für mein leben. 
in welchem bereich meines lebens bin ich unzufrieden?
was kann ich tun, damit ich glücklich werde?

es sind oft die kleinen, unspektakulären schritte...
doch jedes mal, wenn ich verantwortung für mein tun übernehme, werde ich mutiger, selbstsicherer und zufriedener... und ich leiste einen wichtigen beitrag für die ganze welt!





Sonntag, 16. September 2018

ÜBERHEBLICHKEIT

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alle dinge haben 
zeiten des vorangehens und 
zeiten des folgens, 
zeiten des flammens und 
zeiten des erkaltens, 
zeiten der kraft und 
zeiten der schwäche, 
zeiten des gewinnens und 
zeiten des verlierens. 
deshalb meidet der weise übertreibungen, maßlosigkeit und überheblichkeit.

laotse





diese klugen worte stammen von einem mann, der vor ca. 2600 jahren gelebt hat - ja, vor mehr als 2600 jahren, das muss man sich mal auf der zunge zergehen lassen... 

ich frage mich immer wieder, was menschen dazu bewegt, zu meinen, dass sie besser als andere sind. wenn wir auf die welt kommen, sind wir alle gleich. wir sind hiflose wesen, die ohne die fürsorge von erwachsenen dem tode geweiht sind. egal, wo wir geboren werden, welche hautfarbe wir haben, welche nationalität und religionszugehörigkeit unsere eltern haben...

wir lernen von unserer umgebung und beobachten, hören zu... und wir lernen bereits als kleine kinder, dass materieller besitz die menschen scheidet. 
dass es kinder gibt, denen jeder materielle wunsch erfüllt wird, die markenkleidung tragen, die schulfrei bekommen, weil sie mit ihren eltern auf urlaub fliegen, und und und...
aber auch, dass es kinder gibt, die in einem elternhaus aufwachsen, in dem armut herrscht, die nicht nach der neuesten mode gekleidet sind, die kein taschengeld haben und deren eltern sich keinen urlaub leisten können...
diese beobachtungen alleine würden nicht dazu führen, dass kinder ihre mitmenschen bewerten. dass sie meinen, sie wären besser als andere.
diese bewertungen lernen sie von erwachsenen, zumeist von ihrer allernächsten umgebung. und sie verinnerlichen diese anschauungen. wenn sie dann erwachsen sind, haben sie bereits tiefe prägungen und es ist ihnen nicht bewusst, dass sie täuschungen erlegen sind. 
wir finden das kastensystem in indien unverständlich und "zurückgeblieben". doch ich frage mich, was treibt österreicher.innen an, sich vor einem primararzt zu verbeugen und einen straßenarbeiter "von oben herab" zu behandeln?
was treibt österreicher.innen an, menschen aufgrund ihres berufes zu kategorisieren?
was macht einen primararzt besser oder wichtiger als einen menschen, der straßen baut?
weil der primararzt studiert hat und auf der karriereleiter ganz oben steht, weil er viel geld verdient und seinen status selbstverständlich auch zeigt?
was treibt österreicher.innen an, asylbewerber als schmarotzer und verbrecher zu bezeichnen? weil sie all ihren besitz in ihrem heimatland zurücklassen mussten und nun mittellos sind? 

bevor wir andere menschen beurteilen und verurteilen, bevor wir uns über andere menschen stellen, sollten wir bedenken, dass hochmut stets vor dem fall kommt. überheblichkeit hat ihren preis, den wir früher oder später zu bezahlen haben.

zwischen hochmut und demut steht ein drittes, dem das leben gehört, 
und das ist der mut.
(theodor fontane)








Sonntag, 26. August 2018

LEBENDIGKEIT





der grad unserer lebendigkeit misst sich am ausmaß, in dem wir nicht an der vergangenheit hängen oder auf die zukunft schauen, sondern wirklich im JETZT sind.

david steindl-rast




ich bin zur zeit auf urlaub im süden... das erste mal zusammen mit zwei kleinen kindern im alter von eineinhalb jahren.

kinder sind fast zu jedem augenblick im hier und jetzt. wenn sie etwas tun, tun sie es mit vollster aufmersamkeit und hingabe. es ist sehr erbaulich, kinder zu beobachten... denn in dem augenblick, wo ich sie beobachte, bin ich automatisch auch im hier und jetzt... und ich spüre, wie mein gedankenfluss verebbt und ich beinahe eins werde mit dem spielenden kind!

in diesem beobachten ist mir die bedeutung von lebendigkeit so richtig bewusst geworden.

wann bin ich mit meiner aufmerksamkeit im jetzt, wann spüre ich lebendigkeit in mir?

immer dann, wenn ich etwas mit hingabe und voller aufmerksamkeit tue. 
wenn ich erfüllt bin von freude und zufriedenheit. 
wenn das, womit ich mich beschäftige, mir sinnvoll und wertvoll erscheint. 
wertvoll nicht nur im sinn von geldeinheiten... wertvoll für mein leben, meine seele...

denn wann immer wir unser tun fast ausschließlich mit geld in verbindung bringen, zieht es unsere aufmerksamkeit vom jetzt in die vergangenheit und noch viel mehr in die zukunft
was kann ich mir leisten, was nicht. 
leisten...hängt mit leistung zusammen...je mehr du leistest, umso mehr kannst du dir leisten... schön, nicht? 
unsere gesellschaftsstruktur hat sich total dem leistungsgedanken verschrieben. denn damit scheint ein unendliches wirtschaftswachstum möglich... und damit die anhäufung eines schier unendlichen geldvermögens... damit am ende alles leistbar ist.

aus meiner zeit als asset-managerin weiß ich, dass all diese wunderbaren, feinen dinge, die käuflich erwerbbar sind, nichts zur lebendigkeit des menschen beitragen. sie bringen befriedigung, kurze euphorische freude und stolz...zurück bleiben haltungs- und erhaltungskosten, die weitere leistungseinheiten in form von arbeit erfordern... und ein fataler kreislauf bleibt erhalten!

es geht darum, das richtige maß zu finden, damit leistung und lebendigkeit in balance sein können... und das ist wohl von mensch zu mensch sehr unterschiedlich... 





Dienstag, 14. August 2018

ALT werden...

http://media3.news.ch/news/240/69782-02-226.jpg
o ihr gedrückten menschen, 
wie überlebt ihr müden es,
o wie könnt ihr denn alt werden, 
wenn der kreis der jugendgestalten zerbricht 
und endlich ganz unterliegt,
wenn die gräber eurer freunde wie stufen zu euern eigenen hinuntergehen, 
und wenn das alter die stumme, leere abendstunde eines erkalteten schlachtfeldes ist; 
o ihr armen menschen, 
wie kann es euer herz ertragen!
jean paul


lange bin ich einer illusion nachgehängt... alt werden im kreis der familie, das leben genießen, endlich keine verpflichtungen mehr...

am beispiel meines vaters und der mutter meines lebenspartners erlebe ich nun hautnah, was es wirklich heißt, alt zu werden. 
wenn ich alt werden will, dann habe ich alles zu akzeptieren, was das alter mit sich bringt. und dies ist allem voran ein körper, der mit dem geist nicht mehr schritt halten kann. so manche verschleißerscheinung macht sich schmerzhaft spürbar und wenn auch die moderne medizin vieles ausmerzen kann, so hat sie doch keine wundermittel parat.
früher oder später kommt die erkenntnis, dass diese situation zu akzeptieren ist. und das fällt besonders jenen menschen schwer, die in ihrem leben kaum körperliche beschwerden zu erleiden hatten. auch wenn es galt, krankheiten zu überwinden, vielleicht auch operationen zu überstehen, so war in diesen zeiten immer die hoffnung da, dass nach einer erfolgten heilung der lebensalltag wieder fortgeführt werden konnte. und in den meisten fällen erfüllte sich diese hoffnung!

in unserer welt, in der sich viele menschen nur mit materiellen dingen und oberflächlichkeiten beschäftigen, wird das alt werden zu einer angsterfüllten belastung. in der zunehmenden gewissheit, dass keine aussicht auf eine besserung des körperlichen zustandes besteht, werden viele menschen depressiv oder dement. es ist wie eine flucht in die eigene welt, ein rückzug aus der unerträglichen gegenwart und der befürchtung eines langen siechtums bis zum tod. und vor dem tod kommt noch das sterben, das loslassen von allem irdischen... viele menschen erfüllt bei diesem gedanken ein unvorstellbares grauen...

mich machen diese beobachtungen einerseits sehr traurig, weil ich sehe und spüre, wie jede leichtigkeit aus dem leben schwindet und durch ein unermessliches bedauern der eigenen situation ersetzt wird. andererseits möchte ich für mein eigenes altern lernen. lernen, worauf es ankommt im leben. dass das irdische leben endlich ist und dass mit einem glauben an gott in dieser letzten lebensphase etwas an leichtigkeit zurückgewonnen werden kann. 

ich bin meinem vater sehr ähnlich... wenn ich seine ungeduld, sein hadern mit seiner gebrechlichkeit erlebe und wie er seine zunehmende abhängigkeit kaum akzeptieren kann, dann weiß ich, dass auf mich noch einige lernaufgaben warten und dass es gilt, kontinuierlich an sich selbst zu arbeiten, damit für mich das alt werden hoffentlich eine zeit des abschließens, annehmens und loslassens sein kann.

an der mutter meines partners erlebe ich es noch stärker als bei meinem vater. sie wird übermorgen 94 jahre alt und ist ausschließlich mit dem irdischen leben beschäftigt. und dieses irdische leben in einem sehr gebrechlichen körper fordert seinen tribut. unerbärmlich, unaufhörlich. wenn du dich (vor) deinem schicksal nicht (ver)beugst, dann wirst du gebogen, verbogen, manchmal auch gebrochen.

ich arbeite ehrenamtlich beim mobilen hospiz der caritas und angesichts der situation meines vaters und der mutter meines partners bin ich sehr dankbar, dass ich mich mit dem sterben und dem tod auseinandersetzen und konfrontieren darf. dass ich leiden und hoffnungslosigkeit miterleben darf. dass ich ein wenig leichtigkeit und hoffnung diesen menschen vermitteln kann. 
ich hoffe, dass ich eines tages all mein wissen, glauben und meine fähigkeiten auch für mich anwenden kann...








Donnerstag, 26. Juli 2018

WOLKEN...

maratea, august 2016
copyright©karin luger




lauschende wolke über dem wald.
wie wir sie lieben lernten,
seit wir wissen, wie wunderbar
sie als weckender regen prallt
an die träumenden ernten.

rainer maria rilke





heute nachmittag hat es endlich einmal so richtig geregnet bei uns in ulrichsberg.
ich bin auf der überdachten terrasse gesessen und habe dem regen gelauscht. ein leichtes rauschen, das tropfen in den blättern der eichen und der geruch... der unbeschreibliche geruch des sommerregens... mit all den kindheitserinnerungen, die in einem atemzug wachgerufen werden... barfuß durch die regennasse wiese laufen, den warmen regen auf der haut spüren, unbekümmert in die pfützen springen, die nassen haare kleben im gesicht, eins sein mit der natur und mit sich selbst...

mein blick schweift über die wiese zu meinen gemüsepflanzen und ich freue mich über den himmel, der heute das gießen übernommen hat! 
wasser, das elixier des lebens...

wie treffende worte doch rainer maria rilke für ein alltägliches ereignis findet! der weckende regen, der an die träumenden ernten prallt...

auch wir sind träumend... nehmen so vieles nicht wahr... bis uns ein regen aufwachen lässt. schwarze wolken die sonne verhüllen und uns aus dem schläfrigen alltag reissen...





Freitag, 20. Juli 2018

MENSCHLICHKEIT

leonhard, jänner 2018




zu den steinen hat einer gesagt: seid menschlich!
die steine haben gesagt: wir sind nicht hart genug.

erich fried



humanität besteht darin, dass niemals ein mensch einem zweck geopfert wird.

albert schweitzer




jeremy rifkin hat in einem seiner interviews gefragt, wie ein mensch sei, wenn er auf die welt kommt... ist dies ein wesen, das habgierig, böse und feindselig ist?

wo auch immer wir das licht der welt erblicken, ob in europa, asien, afrika... wir sind angewiesen auf menschen, die uns liebe, zärtlichkeit und geborgenheit geben. dies ist die nahrung für unsere seele.
wir wachsen in die welt hinein und lernen, lernen, lernen...
wir lernen von den menschen, mit denen wir leben. 
diese menschen sind unsere vorbilder (nicht vorsprecher!!!)
wir verinnerlichen die weltbilder dieser vorbilder. 
wir verankern sie in unserem unbewussten. 
sie sind die filter, mit denen wir unsere umwelt betrachten.
wie glücklich sind jene kinder, die in einer liebevollen und achtsamen familie aufwachsen dürfen.
und wie unendlich traurig ist es, wenn kinder in einer menschenverachtenden, grausamen umgebung leben müssen. 
denn egal, wie wir aufwachsen, es ist unsere einzige realität. wir können als kleine kinder nicht reflektieren, analysieren und entscheidungen treffen. wir sind angewiesen auf unsere erziehungsberechtigten und das, was sie uns vorleben.
lange zeit glauben wir, dass die welt so ist, wie wir es zu hause erleben.
wächst ein kind in einer familie auf, in der diskriminierung und gewalt an der tagesordnung stehen, lernt es, sich genauso zu verhalten... das gelernte wird tief im unbewussten verankert. so werden verhaltens- und denkweisen von einer generation zur anderen weitergegeben.

daher ist es so unendlich wichtig, dass wir uns selbst beobachten. dass wir uns über unser verhalten bewusst werden. denn dann können wir es auch schritt für schritt ändern.
dass wir nicht mehr das verhalten des vaters (das uns womöglich als kind große schmerzen zugefügt hat) oder der mutter oder einer anderen erziehungsberechtigten person weiterleben.
es ist wichtig, dass wir menschlichkeit entwickeln, dass wir empathisch werden.
zunächst uns selbst gegenüber. 

jesus hat gesagt: liebe deinen nächsten wie dich SELBST!

wenn du gelernt hast, dich selbst zu lieben, wirst du merken, dass du andere menschen viel mehr achtest und respektierst. egal, wo diese menschen geboren sind, welche hautfarbe sie haben, welche religion sie ausüben und welche sprache sie sprechen.

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